Wie erkenne und heile ich ein Trauma?

Wie erkenne und heile ich ein Trauma?

Themenfokus TRAUMA: 1) Ursachen und Symptome

Wie erkenne und heile ich ein Trauma?

Das Thema Trauma ist sicher kein einfaches Thema und besonders die eigenen inneren Wiederstände, machen es einem sehr schwer, sich damit auseinanderzusetzen.

Der Wunsch nach Heilung ist groß aber genauso groß ist oft die Angst, erneut in ein tiefes Loch zu fallen und die Kontrolle über das eigene Leben wieder zu verlieren.

Ich bemerke das in der Arbeit mit meinen Klientinnen und auch in meiner eigenen Entwicklungs- und Heilarbeit.

 

Der Körper drängt nach Auflösung

Ganz deutlich zeigt sich, dass der Körper nach Auflösung drängt.

Der Körper schickt uns bestimmte Symptome, die uns darauf aufmerksam machen wollen, dass da etwas ist, was näher hinterfragt und gelöst werden möchte.

Nachdem mein berufliches Zuhause ja auf der Körper- und Bewegungstherapie fußt, auf der tiefenpsychologischen Bewegungsanalyse und der intuitiven Körperarbeit, ist es mir irgendwann wie Schuppen von Augen gefallen, weil ich es auf der Körperebene erkennen konnte:

Es geht einfach immer und immer wieder um dieses Trauma das uns da im Weg steht;

Egal ob das in der Geburtsvorbereitung ist, in der Geburtsnacharbeit oder dann eben auch in der Arbeit mit den Müttern, die unter einer postnatalen Depression oder unter Burnout leiden.

Es taucht immer wieder dieses Trauma auf, vor dem wir dann stehen und uns denken:

„WOW, ich hätte nicht gedacht, dass dieses Erlebnis solche Auswirkungen auf mein ganzes Leben haben würde.“

 

Die Traumatisierung von Frauen

Nachdem ich mittlerweile ja ausschließlich mit Schwangeren und Mamas arbeite, habe ich natürlich auch ein ganz besonderes Interesse an dem Thema der Traumatisierung von Frauen.

Das können ganz unterschiedliche Traumata sein.

Es kann das Geburtstrauma sein, welches während der Geburt des Kindes entsteht, oder eine Traumatisierung im Wochenbett oder auf der Wochenstation.

Es können aber auch weiter zurückliegende Traumata sein, die im Teenageralter oder als junge Erwachsene entstanden sind.

Es können traumatisierende Erlebnisse sein, die wir aus der Kindheit mitgenommen haben, zum Beispiel durch unsere Erziehung oder wie wir aufgewachsen sind. Man spricht hier von Entwicklungstraumata.

Aber natürlich kann auch unsere eigene Geburtserfahrung eine Rolle spielen. Wie haben wir die Geburt als Baby erlebt? Ist da eine Traumatisierung geschehen, ist vielleicht schon etwas passiert als wir noch als Ungeborenes im Bauch der Mama waren?

 

Über 80% der Frauen eine Traumatisierung erlebt

Ein trauriger Fakt ist, dass über 80 % der Frauen mit denen ich arbeite, eines oder mehrere Traumata in ihrem Leben erlebt haben.

Ich selbst kann mich da nicht ausnehmen, ich habe in meinem Leben auch Dinge erlebt, die traumatisierend waren für mich.

Ich finde es sehr wichtig, sich auch den dunklen Aspekt der eigenen Lebensgeschichte anzuschauen, weil wir nur dann wirklich bereit sind, das Positive zu erreichen und die Veränderungen zu schaffen, die wir uns so sehr wünschen.

Oft erleben wir, dass wir versuchen, bestimmte Dinge in unserem Leben zu manifestieren und uns auch wirklich sehr bemühen. Aber wir merken, dass immer eine große Schwere, Angst und Zweifel mitschwingen, oder uns auch einfach die nötige Energie fehlt.

Und das hat mit Traumata zu tun.  

Die Trauma-Arbeit scheint sehr schwer zu sein und doch muss ich ehrlich sagen, dass diese Reise der Frauen und auch die Begleitung dieser Frauen, die den Mut aufbringen hinzuschauen, extrem erfüllend ist.

Man kann sich das vorstellen wie eine Loslösung der Trauma-Energie, die wir in unserem Körper gespeichert haben.

Wenn diese feststeckende Energie losgelöst wird, dann ist auf einmal so viel mehr an Lebensenergie verfügbar. Es ist erstaunlich, was dann alles möglich ist.  

 

Ursachen eines Traumas

Ein Trauma ist ein Trauma, egal wodurch es verursacht wurde.

Der Begriff Trauma bezieht sich auf eine tiefe Verletzung. Das kann psychisch, physisch, körperlich oder auch seelisch sein.

Es ist im Grunde so, dass jedes Ereignis, welches wir als lebensbedrohlich wahrnehmen, als Trauma erlebt werden kann.

Auch wenn ein Ereignis nur in der Wahrnehmung als lebensbedrohlich erlebt wird, wird der Körper einem extremen Stress und einer Angst ausgesetzt und dies kann traumatisierend wirken.

Es ist ganz individuell, wer welche Ereignisse als traumatisierend erlebt.

Das wissen wahrscheinlich auch die Hebammen, die teilweise erstaunt sind, dass manches Geburtserlebnis für die eine Frau ganz leicht weggesteckt wird und für die andere als Weltuntergang wahrgenommen wird.

Es hängt von vielen Faktoren ab, was uns traumatisiert.

Zum Beispiel hängt es davon ab, was bereits alles in unserem Lebensrucksack drin steckt.

Es gilt also nicht zu sagen, „Ich bin schwach, denn ich habe dieses Ereignis als traumatisch erlebt.“.

Es ist einfach so, dass zu diesem Zeitpunkt bestimmte Dinge nicht zu Verfügung standen, egal ob emotional oder physisch, die man gebraucht hätte, um dieses Erlebnis nicht als lebensbedrohlich wahrzunehmen.

Das hat ganz oft mit dem Gefühl zu tun, ob wir die Möglichkeit haben, flüchten oder kämpfen zu können.

 

 

Es gibt zwei Hauptkategorien in die die Ursachen von Traumata eingeteilt werden können:

Die offensichtlichen und die subtilen Ursachen eines Traumas

Zu den offensichtlichen Ursachen zählen zum Beispiel schwerer sexueller, körperlicher oder emotionaler Missbrauch, Vergewaltigung, Krieg, das Miterleben von Gewalt, Vernachlässigung, Verrat oder das Verlassenwerden in der Kindheit, teilweise auch sehr schwere Verletzungen oder schwere Krankheiten.

Das alles kann zu einer offensichtlichen Traumatisierung führen.

 

Das Geburtstrauma wird in dieser Liste ganz oft unterschlagen.

Es wird nur in den seltensten Fällen dazugezählt, aber es gehört definitiv in den emotionalen, sexuellen und körperlichen Missbrauch eingereiht.

Geburt ist ein Teil unserer Sexualität und jede Verletzung unter der Geburt, ob nun körperlich oder seelisch, ist eine Verletzung unserer Sexualität, Weiblichkeit und Lebensenergie.

Das Geburtstrauma ist so ein großes Thema, dass ich einen eigenen Beitrag zu diesem Thema machen möchte, weil es so wichtig ist und auch die Frage gestellt werden muss, warum es so oft unterschlagen wird.

 

Die subtilen Ursachen eines Traumas können scheinbar gewöhnliche Erlebnisse sein, die von außen betrachtet nicht so eine große Sache sind, aber trotzdem als bedrohlich erlebt werden können.

Das gilt besonders im Säuglings- und Kleinkindalter.

Die subtilen Ursachen können zum Beispiel kleinere Autounfälle mit Blechschaden sein, vor allem wenn man ein Schleudertrauma erlitten hat, oder auch jede andere Form eines Unfalls oder sogar eines „Beinahe-Unfalls“.

Egal ob dieser Unfall mit dem Auto, dem Bus, dem Flugzeug oder dem Fahrrad stattfindet, all dies kann traumatisierend sein.

Ich hatte einen „Beinahe-Unfall“ mit einem Bus auf einer Reise und es hat bei mir dazu geführt, dass ich jahrelang unter schlimmer Flugangst gelitten habe, welche Todesangst in mir auslöste.

Ich habe das lange Zeit gar nicht mit dem Erlebnis der Busreise in Verbindung gebracht, aber irgendwann ist es mir dann klar geworden.

Sobald einem das dann klar wird, ist man natürlich schon ein Stück weiter, da man das ursprüngliche Erlebnis von dem isolieren kann, worunter man jetzt leidet.

 

Ein subtiles Trauma kann auch durch jegliche Form von Stürzen, gerade auch mit der Folge von Gehirnerschütterungen, Knochenbrüchen, Platzwunden, schwere Schnittverletzungen oder auch Quetschwunden, hervorgerufen werden.

Ein weiteres Beispiel sind erlebte Naturkatastrophen, ob das jetzt Brände sind, Überflutungen oder Wirbelstürme.

Was man auch nicht unterschätzen darf, sind invasive Behandlungsmaßnahmen beim Arzt oder Zahnarzt, besonders wenn man dafür festgehalten oder narkotisiert wurde. Diese wirken so traumatisierend auf den Körper, weil wir ja das Gefühl haben, nicht kämpfen oder flüchten zu können. Wir sind dieser Situation ausgeliefert und können nichts dagegen tun.

 

Das Alleingelassenwerden und Schreienlassen bei Babys und Kleinkindern gehört sowohl zu den offensichtlichen als auch zu den subtilen Traumata, weil wir als erwachsene Person in vielen Situationen auch unterschätzen, was dieses sehr kleine Kind wirklich erlebt. Von außen betrachtet denken wir, es ist doch alles okay und es ist nicht so schlimm. Wir ziehen aber nicht in Betracht, dass es für dieses Baby oder Kleinkind eine absolut lebensbedrohliche Situation darstellt.

Anhaltende Ruhigstellung durch Gips oder Schienen, wobei ich da an Kinder denke, die auf Grund von Knochenfehlbildungen oder Verletzungen über einen sehr langen Zeitraum bestimmte Schienen tragen müssen, können subtile Traumaspuren im Körper hinterlassen. In diesem Fall kann es passieren, dass auf Körperebene eine geblockte Trauma-Energie stecken bleibt, welche zum Beispiel über die Bewegung gelöst werden kann. 

Diese Form der Traumata sind zwar subtil, aber wirken trotzdem tief und nachhaltig, weil sie eben so verdeckt im Untergrund schwelen. Sie nehmen uns langsam und sukzessiv die Lebensenergie mit ihrer lähmenden Schwere.

Das war jetzt eine grobe Zusammenfassung von möglichen Ursachen eines Traumas.

Es muss nicht sein, dass die oben genannten Dinge ein Trauma hervorrufen, aber diese Vereinfachung kann hilfreich sein, um sich einen Überblick zu verschaffen.

 

Wie erkenne ich eigentlich, dass ich ein Trauma habe?

Ich werde jetzt näher auf die Auswirkungen eines Traumas und die möglichen Symptome eingehen, anhand derer wir erkennen können, ob eine Traumatisierung stattgefunden hat.

Es kann ja sein, dass man es völlig verdrängt hat, was während einer Notfallsituation normal ist.

Denn während einer Traumatisierung treten die Teile des Gehirns, mit denen wir unseren bewussten Tagesablauf gestalten, eher in den Hintergrund und unser Körper schaltet auf das Notfallprogramm um.

Das heißt, unser Körper konzentriert sich auf die ganz essenziellen Funktionen und deswegen rutschen auch viele Erlebnisse direkt ins Unterbewusstsein und wir können uns an viele Dinge nicht mehr erinnern.

 

Symptome eines Traumas

Die unmittelbaren Symptome nach einem Trauma können sein:

Überregung – Herzrasen, Schwitzen, kalte Schweißausbrüche, schneller und flacher Atem, das Gefühl, keine Luft zu bekommen, Hyperventilation, Gedankenkarussel

Anspannung – auf Muskelebene, da das Nervensystem auf den Notfallmodus umschaltet, damit alle Kräfte im Körper mobilisiert werden können um fähig zu sein zu kämpfen oder zu flüchten; der Muskelturnus ist dadurch erhöht und geht in die absolute Kampf- oder Fluchtbereitschaft, weswegen alles so angespannt ist und das sauerstoffreiche Blut in die Arme und Beine geleitet wird, während die Verdauungstätigkeit gehemmt wird, weil sie in diesem Moment nicht wichtig ist; das kann dazu führen, dass man in einen benommenen, tranceähnlichen Zustand fällt

Dissoziation – diese schützt uns davor, dass man von der Angst und dem Schmerz überwältig wird; es werden bestimmte Wahrnehmungsbereiche im Körper und auch im Geist ausgestellt, um die Dinge, die normalerweise jenseits des erträglichen sind, auszuhalten; eine Überlebensstrategie vom Nervensystem.

Die Dissoziation kann auch über den Körper ablaufen, also es kann auch sein, dass bestimmte Körperteile und Körperbereiche als unverbunden oder nicht spürbar wahrgenommen werden. Bei den meisten Frauen, mit denen ich arbeite, welche ein Geburtstrauma erlebt haben, ist es der Fall, dass sie ihre untere Körperregion als nicht existent wahrnehmen und nicht spüren können. Das ist wie eine Taubheit, als wäre diese Körperregion einfach nicht da. Eine Dissoziation kann sich auch über chronische Schmerzen zeigen, damit gewisse Köperteile durch die Schmerzen auf sich aufmerksam machen.

Verleugnung – ist eine Form der Dissoziation, eine Trennung zwischen der Person und ihrer Erinnerung. Man kann sich dann einfach nicht mehr an das Ereignis erinnern, wie ein Filmriss.

Teilweise geht es sogar soweit, dass verleugnet wird, dass ein bestimmte Ereignis überhaupt stattgefunden hat. Gerade bei schweren Missbrauchsfällen in der Kindheit, weiß man mittlerweile, dass das Erlebnis im Unterbewusstsein verborgen ist und nie ins Bewusstsein und in die Erinnerung auftaucht. Der Grund dafür ist, dass das Ereignis als so extrem schlimm erlebt wurde, dass es dort unten versteckt bleibt. Man verhält sich also so, als ob das nie geschehen wäre, weil dieser Schmerz und die Angst davor uns überwältigen würde.

Hilflosigkeit und Bewegungsunfähigkeit – die Erstarrung bzw. Bewegungsunfähigkeit, entsteht bei der Überregung des Nervensystems in einer traumatischen Situation. Es wird die Notbremse zur Entschleunigung gezogen. Das Gefühl, völlig handlungsunfähig zu sein, total kraftlos und erstarrt zu sein, ist in dieser Situation keine Einbildung. Viele Menschen beschreiben das als komplett real und es ist real. Das Nervensystem macht in dieser Situation eine Art „shut down“, weil es sonst zu viel wäre für das gesamte Nervensystem.

 

Zeitverzögerte Symptome nach einem Trauma:

Übermäßige Wachsamkeit – das Gefühl, dass der Körper einfach nicht mehr runterkommen kann und man vielleicht auch gar nicht mehr einschlafen kann. Man hat eine Schreckhaftigkeit und Überaktivität. Das kann dazu führen, dass man abrupte Stimmungsschwankungen hat, dass man auf einmal einen mega Wutausbruch bekommt oder sehr stark weint und man nicht mehr aufhören kann.

Es können auch bedrängende Bilder auftauchen oder auch Flashbacks, wo man dann so richtige Filmszenen von diesem traumatischen Ereignis vor sich ablaufen sieht.

Extreme Licht- und Geräuschempfindlichkeit zeigen auch, wie stark überbelastet das Nervensystem durch das Trauma ist.

Albträume, nächtliche Angstattacken und Schlafstörungen zeigen, dass da etwas im Unterbewusstsein ist, was auftauchen und gelöst werden möchte. Natürlich führt das dann dazu, dass es auf den gesamten Organismus drückt und komplett die Lebensenergie zunichte macht.

Man wird unfähig, mit Stress umzugehen, man fühlt sich leer und schwach, das Selbstwertgefühl fehlt und es wächst die Scham, dass man sich so fühlt und dass es einem so schlecht geht.

 

Symptome lange nach einem Trauma:

Das können Panikattacken sein, Ängste und Phobien, die man entwickelt, oder die Entwicklung eines Suchtverhaltens für verschiedenste Dinge. Ein Symptom ist auch das Gefühl, nicht ganz da zu sein und eine Art Leere im Kopf zu haben.

Es gibt das Vermeidungsverhalten, in dem bestimmte Personen und Orte gemieden werden, weil man Angst hat, nochmal in dieses ursprüngliche Ereignis zu kommen.

Dann gibt es noch die Sucht nach gefährlichen Situationen. In diesem Fall wollen die Menschen das Gefühl der Bedrohung und des Notfalls noch einmal erleben, denn das gesamte System erhofft, die Notfallsituation zu einem positiven Ende zu bringen.

Weitere Symptome können übertriebene oder verminderte Sexualität, Gedächtnisverlust und Vergesslichkeit sein.

Aber auch die Unfähigkeit, Liebe zu empfinden, wo man merkt, dass der Herzbereich komplett taub ist und es ganz schwer für traumatisierte Menschen ist, das Herz wieder zu öffnen, weil es so verletzt wurde.

Dann gibt es natürlich noch die Symptome, die nach langer, langer Zeit auftauchen können: wie zum Beispiel eine übermäßige Scheu an den Menschen oder neuen Situationen gegenüber, chronische Müdigkeit, Immunschwäche, hormonelle Probleme, chronische Schmerzen (Kopfschmerzen, Migräne, Nacken- und Rückenprobleme), Asthma, Haut- und Verdauungsprobleme. Auch die Depression gehört absolut dazu, wie auch Weltuntergangsängste und überhaupt ein generelles Gefühl von Entfremdung und Isolation. Es besteht das Gefühl, dass das Leben und die Welt ohne einen stattfinden, man ist außen vor und man fühlt sich allein und einsam mit der ganzen Situation.

Alle diese Symptome können stabil, also permanent vorhanden sein oder sie können auch instabil sein, was eigentlich häufiger der Fall ist. Das heißt sie tauchen nur manchmal auf und besonders zu sehr stressigen Zeiten, wo es nochmal akut wird.

Es ist so, dass diese Symptome oft in Gruppen auftreten, welche über die Zeit immer komplexer werden und man irgendwann gar nicht mehr diese Verbindung zum ursprünglichen traumatischen Ereignis herstellen kann.

Deshalb sind auch viele Traumata versteckt und so subtil.

 

Die Traumaarbeit kann sich einem also wie ein großes Puzzle zeigen, zu dem man nach und nach die gesuchten Teile hinzufügt und so Schicht um Schicht die eigene Lebensgeschichte heilt und sich mit dieser versöhnt. 

 

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Die eigene Geschichte neu schreiben – eine heilende Hausgeburt

Die eigene Geschichte neu schreiben – eine heilende Hausgeburt

Wie Lara ihr eigenes Geburtstrauma als Baby durch die Geburt ihrer Tochter lösen und heilen konnte.

Gastartikel von Lara, einer Löwenmama

Heilung kann auch herausfordernd sein, weil man sich einen völlig neuen Weg erschließen muss.

Ich durfte Lara in ihrer Schwangerschaft begleiten, ihre Geschichte kennenlernen und ihr ein Stück weit bei ihrer Reise zu ihrer Löwenmama-Kraft zuschauen. Ihre größte Herausforderung war hierbei sicher die Überwindung ihrer eigenen Geburtserfahrung als Baby, in der sie als Notkaiserschnitt zur Welt gekommen war. Ihre behindernden Gedanken- und Glaubensmuster und Ängste stammten aus dieser frühen Erfahrung. Sie widmete sich mit viel Mut, Weisheit, Einfühlsamkeit und Durchhaltevermögen diesem Prozess und konnte ihre Geschichte wirklich neu schreiben.

In ihrem Geburtsbericht erzählt sie, wie sie sich auch unter der Geburt ihre eigenen Themen noch einmal anschauen und über sich selbst hinauswachsen durfte. Durch die liebevolle Begleitung ihres Partners und die einfühlsame und respektvolle Unterstützung ihrer Hebamme war es ihr möglich, im Rahmen einer Hausgeburt diesen dunklen Themen genügend Raum und Zeit zu geben.

Es war eine wahre Heldinnen-Reise, in der so einigen ‘Drachen’ die Köpfe abschlagen durfte.

Das Endergebnis: die Geburt von Laras Tochter Maya war eine Heilung durch die weibliche Linie – von der Gegenwart in die Vergangenheit bis in die Zukunft. 

Laras heilende Hausgeburt
Jetzt sind schon 8 Wochen vergangen, seit unsere Tochter auf die Welt gekommen ist, und für mich ist es nun der passende Zeitpunkt meinen Geburtsbericht zu schreiben…

Ich muss etwas ausholen und zu meiner eigenen Geburt zurückgehen, die alles andere als gut lief.

Nachdem ich mich am errechneten Termin nicht auf den Weg machte und auch die Tage danach keinerlei Anstalten machte, den Bauch zu verlassen, obwohl meine Mama vom Treppensteigen bis zum Geburtscoctail alles versucht hatte, wurde meine Geburt schlussendlich eingeleitet.

Da ich offensichtlich noch nicht bereit war und die Umstände wenig entspannend waren (der Arzt war z.B. noch beim Golfspielen und kam ewig nicht ins KH…) kam es irgendwann zum Geburtsstillstand, meine Herztöne wurden schlechter und so wurde ich unter Vollnarkose meiner Mama aus dem Bauch geholt.

Die erste Zeit war sie von der Narkose so “neben der Spur”, dass an Bonding etc. natürlich nicht zu denken war…

Zurück zu meiner eigenen Schwangerschaft und Geburt meiner Tochter:
Bereits vor meiner Schwangerschaft bin ich auf Youtube über Videos von natürlichen, selbstbestimmten Geburten gestolpert und wusste sofort: so sollte meine Geburt auch aussehen!

Ich war beeindruckt von den ruhig atmenden Frauen und der vorherrschenden Stimmung von Harmonie und Liebe, am liebsten hätte ich wohl gleich eine Geburt erlebt.
Es vergingen ein paar Monate und kaum hatten wir beschlossen, dass es für uns der passende Zeitpunkt war, um Eltern zu werden, nistete sich auch schon ein kleiner Bauchbewohner ein.

Die Schwangerschaft verlief traumhaft, wir suchten uns recht früh eine Hebamme und meldeten uns zum Hypnobirthing Kurs (bei Nina Winner, mit der wir einen ganz zauberhaften Geburtsvorbereitungskurs erleben durften, der uns das nötige Wissen und ganz viel gutes Gefühl für eine Hausgeburt mitgab!) an, denn für uns war klar: dieses Kind wird zuhause geboren!

An Tag 38+3, bzw. in der Nacht auf 38+4  tat sich dann was, ich wurde in der Nacht wach und hatte Wellen, die mich nicht mehr schlafen ließen.

Am Vormittag kam meine Hebamme zum vereinbarten Akupunkturtermin, da waren die Wellen kaum spürbar. Sie sagte mir, dass ich vor der Geburt bestimmt noch mal gut schlafen würde, damit ich dann genug Kraft hätte… und genau so war es.
38+5 riss mittags meine Fruchtblase ein, ich verlor einen guten Schwung Fruchtwasser, sonst passierte nichts.

Ich machte es mir dann auf der Couch bequem und wartete erst mal ab, war aber noch recht entspannt und sicher, dass es in den nächsten Stunden irgendwann losgehen würde.

Abends legte ich mich mit dem Gedanken, nochmal Kraft zu sammeln, ins Bett und hatte nach einer halben Stunde Schlaf wohl genug Kraft, denn ich hatte  Wellen.
Ich wartete 2-3 Wellen ab, dann weckte ich meinen Freund, der mit mir gemeinsam durch die Wellen, die mich nicht mehr liegen ließen, ging.

In den Pausen scherzten wir, kuschelten oder schnauften einfach durch.

Nachdem die Abstände kurzer wurden und die Wellen regelmäßiger, telefonierten wir mit unserer Hebamme, die dann auch zwischen 5 und 6 Uhr morgens (ich weiß es nicht genau, ich weiß nicht mal, wie das Wetter am Geburts-Tag war, und das obwohl ich auch mal am Fenster saß 😉 ) kam.

Wir berichteten ihr kurz von der Nacht und sie untersuchte meinen Muttermund, welcher bei 1,5-2cm war.

Ich bekam ein paar Akupunkturnadeln gesetzt und mein Freund ging nochmal ins Bett.

Die Abstände zwischen den Wellen wurden wieder schwächer und ich nahm ein Bad.

Als ich mir in der Badwanne dachte “jetzt hätte ich Christian gerne wieder an meiner Seite” hab ich wohl so intensiv an ihn gedacht, dass es ihn im Bett aufschreckte und er kurz darauf im Bad erschien…

Wir arbeiteten weiter am Muttermund… die Wellen nahmen wieder zu, jedoch spürte ich sie in etwa in der Nierengegend und nichts deutete darauf hin, dass es “nach unten” ging.

Laras Hausgeburt
Als der Muttermund am Vormittag immer noch bei 2, vielleicht 2,5cm war beschlossen wir mit unserer Hebamme, dass sie ein paar Termine wahrnehmen und später wieder zu uns kommen würde.

Bis ca 14 Uhr atmete ich mich durch meine Wellen, wechselte zwischen Badewanne, Wohnzimmer und WC hin und her, nahm verschiedene Positionen ein und es ging, gefühlt, nicht wirklich viel weiter.

Ich war müde, es war anstrengend, und ich wollte, dass sich endlich etwas tut!

Also setzte ich mich auf meinen Gymnastikball und hopste entschlossen darauf auf und ab, sagte meinem Baby immer wieder „jetzt rutsch runter“, „mach dich auf den Weg“, und endlich hatte ich das Gefühl, dass die Wellen sich änderten, dass mehr „Schub“ nach unten da war, was auch die Intensität der Wellen veränderte.

Um das zu verarbeiten, ging ich erst mal bei geschätzten 100 Grad duschen, zog mir was Frisches an und aß ein bisschen Obst.

Meine Laune war schlagartig richtig gut, ich war erleichtert zu spüren, dass sich etwas an der Art der Wellen geändert hatte.

Ich stellte mir weiterhin immer wieder eine sich öffnende Blüte dar um den Muttermund beim Öffnen zu unterstützen.

Und als um 18 Uhr die Hebamme wieder kam, hatte ich, ja man glaubt es kaum, ca 3-4 cm! Ich hatte eigentlich nicht wirklich etwas anderes erwartet, und doch gehofft, dass es mehr wäre.

Ich war wirklich schon erschöpft und hätte wirklich Lust auf Schlaf gehabt.

Um die Wellen besser aushalten zu können, gingen mein Freund und ich gemeinsam in die Dusche (die Wellen waren nie schmerzhaft-jedoch einfach sehr intensiv und kräftezehrend). Der Arme musste meine Duschtemperatur von ca 100 Grad aushalten und mir in den Wellenpausen das Wasser mit dem Duschkopf über den Rücken laufen lassen, während der Wellen wollte ich kein Wasser.

Das war der „Tiefpunkt“ der Geburt. Ich wusste nicht, was ich noch machen sollte: ich atmete, ich visualisierte, ich hatte das Gefühl mit jeder Welle mitzugehen und sie anzunehmen, und trotzdem ging es so zäh voran!

Ich hoffte, dass die Hebamme oder mein Freund mir irgendetwas sagen würde, dass es endlich weiter geht, als ich ihnen sagte, dass ich nicht mehr weiter weiß. Doch es kam nichts. Die Hebamme sagte, dass sie, wenn ich ins KH gehen will, mich natürlich hinbringen würde, mein Freund erklärte mir, dass ich es entscheiden könne, wie ich weiter mache.

Für mich war klar: auch im KH muss das Kind auf die Welt kommen, ein Kaiserschnitt oder Schmerzmittel (mit denen es in meiner Vorstellung ja noch langsamer voran gehen würde, außerdem hatte ich keine Schmerzen, ich war einfach erschöpft!) kamen nicht in Frage und SO in ein Auto zu steigen konnte ich mir auch nicht vorstellen, NEIN! unser Kind sollte zuhause kommen.

Die Hebamme gab mir etwas Bedenkzeit, mein Freund versuchte mich mit „stell dir eine sich öffnende Blüte vor“, was ihm einen Hagel von Beschimpfungen bescherte (was glaubte er eigentlich, was ich schon den ganzen Tag tat!?) noch besser zu unterstützen.
Doch ich musste wohl an diesen Punkt kommen, denn mit diesem „Tiefpunkt“ habe ich glaub ich auch die Lösung gefunden.

Es gibt diesen Punkt, an dem man nicht weiter weiß, an dem einem auch keiner weiter helfen kann, an dem man keine Ahnung hat, was jetzt kommt oder was man machen soll.

Im Gepräch mit Nina über die Geburt wurde klar. hier ist die Verbindung zu meiner eigenen Geburtserfahrung, ich bekam „die Lösung“ für eine natürliche Geburt nicht mit. Bei meiner eigenen Geburt kam der Punkt an dem es nicht weiter ging, der Geburtsstillstand, und dann wurde ich geholt. Das war also der Moment, an dem ich einen neuen Weg einschlagen konnte, indem ich an diesem „Tiefpunkt“ ankam, und von dort weg einen anderen Weg ging.
Der andere Weg ging so weiter: Ich wusste, dass ich alles getan hatte, um den Geburtsverlauf zu unterstützen, und es hatte „so wenig“ gebracht. Ich beschloss, es einfach noch irgendwie mitzumachen, denn es war mir klar, dass das Kind ja irgendwann einfach kommen muss, und ich hatte auch keine Energie mehr um „aktiv“ etwas zu tun. Ich sagte mir, dass ich es einfach irgendwie durchstehen muss und dass mein Körper und mein Baby nichts machen, was nicht möglich ist.

Meinem Baby ging es übrigens immer, sowohl zwischen den Wellen als auch während den Wellen, bestens. Der Herzschlag änderte sich nicht und war durchgehend im mittleren „Normalbereich“.
Ich kniete also in unserer Badewanne am Boden, ließ mir brühheißes Wasser über den Rücken laufen, hielt mir selbst mein Steißbein bei jeder Welle von innen weg um den Druck auszuhalten.

Zum Glück war ich zuhause! All das wäre im Krankenhaus, abgesehen davon dass seit dem Blasenriss schon über 24h vergangen waren, so wahrscheinlich nicht möglich gewesen. Und mein Neokortex war durch all das so „inaktiv“, dass ich weder sagen konnte, wie spät es in etwa war, noch ob ich wach war oder geschlafen habe. Ich habe mich dadurch und durch meine Atmung einfach vollkommen „weggebeamt“.

Und das war meine Lösung!

Um 20 Uhr, zurück im Schlafzimmer, war der Muttermund ca bei 5cm und eeendlich ging die Fruchtblase ganz auf, da ich mich in der Dusche aber so wohl gefühlt hatte ging ich nochmal in die Badewanne, aus der mich die Hebamme um ca. 21:30 Uhr heraus gebeten hat, damit ich mich etwas mehr bewege.

Das schien eine gute Idee gewesen zu sein, denn um 21:50 Uhr war, man glaubt es kaum, der Muttermund endlich verstrichen.

Ich dürfte mich die letzten Stunden beim heißen Duschen so überhitzt haben, dass ich nun unbedingt eiskalte Handtücher haben wollte, in die ich mich ganz einwickelte und auf die ich mich stellte.

Die restlichen Wellen veratmete ich im Schlafzimmer, mein Freund unterstützte mich, wie schon die ganze Zeit, super dabei und half mir immer wieder beim Aufstehen, Hinknien usw., da ich einfach aus eigener Kraft kaum mehr hoch kam.

Trotzdem wusste ich: jetzt ist der Weg frei! Und das gab mir für die letzten Wellen noch einmal richtig Kraft.

Es dauerte nicht mehr lange bis ich merkte, dass der Kopf den Muttermund passierte. Unsere Hebamme und mein Freund bewunderten freudig die dunklen Haare unseres Kindes, welche schon zu sehen waren. Und mit nur einer Welle rutschte unsere Tochter mit dem Kopf aus dem Geburtskanal, drehte sich spürbar auf die Seite und: war eine halbe Stunde nach Verstreichen des Muttermundes geboren!

Ich werde die kraftvolle Energie, die ich in diesem Moment gespürt habe, bestimmt niemals vergessen!

Und, was soll ich sagen: ich bekam die Geburt, die ich mir gewünscht hatte. Ich wollte nie eine „Sturzgeburt“, sondern genug Zeit, um die Geburt als intensives, schönes Erlebnis kennenzulernen, und hatte mir gewünscht, dass es auch nicht zu ewig dauern würde (ok das könnte man vielleicht etwas anders interpretieren, aber das Universum hielt es so für richtig).

Und genau das bekam ich!

24h Zeit, die Geburt zu erleben, immer so, dass ich es gut aushalten konnte, intensiv genug, um meine Grenzen kennen zu lernen und so sehr in die Tiefe gehend, sodass ich daraus wachsen konnte.

Willkommen auf meinem Blog!

Hallo! Ich bin Nina und Dein Birth Coach und Mama Mentor.

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Selbstbestimmt, angstfrei und entspannt in die Geburt

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Die überwachte Frau – “Macht über Frauenkörper”

Die überwachte Frau – “Macht über Frauenkörper”

Wie Frauen in ihrer Selbstermächtigung gehemmt werden – ein Interview mit Autorin Doris Moser über ihr Buch ‘Der überwachte Bauch’

 

 

Liebe Doris, erzähl’ doch bitte zu Beginn, warum Du dieses Buch geschrieben hast? Wie kam es, dass Du das System der Schwangerenvorsorge in Frage gestellt hast?

Es waren vor allem persönliche Erfahrungen, die mich dazu gebracht haben, die gängige Form der Schwangerenvorsorge zu hinterfragen.

Wenn ich an meine Schwangerschaften zurückdenke, dann erinnere ich mich vor allem an unzählige Arztbesuche, Laborüberweisungen, Aufenthalte in der gynäkologischen Abteilung des Geburtskrankenhauses.

Wie die meisten Menschen, habe ich das auch nicht in Frage gestellt, bin brav zu jeder Untersuchung gegangen und hab den Mutter-Kind-Pass wie einen kleinen Schatz gehütet. Schließlich wollte ich doch nur das Beste für mein Kind und das wird doch wohl der regelmäßige Check beim Fachmann sein, oder?

Alle machen das so.

Während meiner zweiten Schwangerschaft haben mich dann erste leise Zweifel beschlichen. Damals wollte ich viele Dinge nicht mehr so einfach hinnehmen, war informierter als bei der ersten Schwangerschaft – und bin deshalb immer wieder mit meiner damaligen Frauenärztin aneinandergeraten.

Da wurde mir dann bewusst, dass es bei diesem ganzen Arztmarathon in Wahrheit gar nicht um mich oder mein Kind geht.

Da ging es plötzlich um Macht, Kontrolle und Hierarchie. Und ich hab den Druck ganz deutlich gespürt, den Vater Staat da auf uns werdende Mütter ausübt. Da hat sich dann Widerstand in mir geregt. Ich hatte das Gefühl, dass da irgendetwas nicht ganz stimmig ist.

Wie kann es sein, dass erwachsene Frauen derart entmündigt werden?

Ihnen wird nicht zugetraut, sich eigenverantwortlich um ihren Gesundheitszustand zu kümmern, was beispielsweise für Diabetiker selbstverständlich ist. Von schwangeren Frauen erwartet man, dass sie für die einfachsten Tätigkeiten wie Wiegen, Blutdruckmessen oder den Teststreifen in den Urin zu tauchen in die Arztpraxis pilgern, um sich dort von Profis dabei helfen zu lassen.

Das ist doch verrückt!

Hinzu kommt, dass ich herausgefunden habe, dass es im internationalen Vergleich für die Schwangerenvorsorge gar keine einheitlichen Richtlinien gibt. Hier wird häufig und viel kontrolliert, gemessen, überwacht und begutachtet, dort sind die Vorgaben viel freier und es wird weit weniger untersucht – allerdings bei gleichen Ergebnissen.

Mehr Untersuchungen bedeuten demnach nicht zwangsläufig besserer Gesundheit für Mutter und Kind. Ein weiterer Punkt, der mich sehr nachdenklich gestimmt hat, ist die Tatsache, dass die werdenden Eltern von der Medizin als dumm verkauft werden. Der Mutter-Kind-Pass wird gerne als Erfolgsgeschichte dargestellt: Weil Vater Staat so nett war und den Mutter-Kind-Pass eingeführt hat, ist die Mütter- und Säuglingssterblichkeit gesunken. Ja, sie ist gesunken. Allerdings wird vergessen zu erwähnen, dass bereits lange vor Einführung des Mutter-Kind-Passes die Sterblichkeitsraten rapide gesunken sind. Nicht die medizinische Überwachung ist also der ausschlaggebende Grund für die verbesserten Sterblichkeitsraten, sondern anderer Faktoren wie verbesserte Hygienebedingungen sowie bessere soziale und ökonomische Gegebenheiten sind dafür (mit-)verantwortlich.

Hier wird also mit falschen Karten gespielt und die werdenden Mütter werden bewusst nicht aufgeklärt.

 

Welche Themenschwerpunkte behandelt das Buch konkret und wie kann es schwangeren Frauen dabei helfen, ihren eigenen Weg zu finden?

Ich habe dieses Buch geschrieben, weil ich der Meinung bin, dass jede schwangere Frau, die sich mit dem System der medizinischen Schwangerenvorsorge konfrontiert sieht, auch die grundlegenden Informationen dahinter erhalten sollte.

Informierte Frauen sind vielleicht unbequeme „Patientinnen“, aber sie sind auch fähig, eigenverantwortliche Entscheidungen für sich und ihre (ungeborenen) Kinder zu treffen. In der Interaktion Arzt/Ärztin und „Patientin“ muss das Ungleichgewicht beseitigt werden.

Hier sollten sich zwei Menschen auf Augenhöhe begegnen und nicht, wie es aktuell meist der Fall ist, eine unsichere und orientierungslose Frau, die sich einem allwissenden und tonangebenden Profi ausliefert.

Diese Möglichkeit will ich den Frauen geben. Das Buch ist daher so aufgebaut, dass die Leserin einen Einblick in die Hintergründe des Mutter-Kind-Passes bekommt.

Wie und warum kam es zu dessen Einführung und mit welchem Ziel? Wurden diese Ziele erreicht? Welche Änderungen im Mutter-Kind-Pass sind in Zukunft geplant?

Dann geht es natürlich ganz konkret um den Inhalt des Mutter-Kind-Passes: Welche Untersuchungen sind wann vorgesehen? Welchen Sinn haben diese Untersuchungen? Gibt es womöglich sogar Maßnahmen, die das Wohl von Mutter und Kind gefährden? Worauf kann eventuell verzichtet werden?

Ein internationaler Vergleich der Schwangerenvorsorgeprogramme zeigt nicht unerhebliche Differenzen zwischen den einzelnen Ländern auf. Außerdem beschäftige ich mich mit der Risikoorientierung in der ärztlichen Schwangerenvorsorge und hinterfrage die Sinnhaftigkeit dieser Form der medizinischen Überwachung.

Letztendlich macht das ja etwas mit einer Frau, wenn sie – obwohl sie nicht krank ist – ständig zum Arzt beordert wird.

Da geht es dann auch um Macht über Frauenkörper.

Was im Buch auch kritisch beleuchtet wird, ist die Tatsache, dass Österreich das einzige mir bekannte Land ist, in dem die ärztliche Überwachung des weiblichen Körpers derart durch staatlichen Druck gefördert wird. Hier wird der Nachweis der ärztlichen Untersuchung direkt an die Ausbezahlung einer finanziellen Leistung (Kinderbetreuungsgeld) geknüpft.

Hinzu kommt, dass die Schwangeren keine Wahl haben, ob sie die Mutter-Kind-Pass-Vorsorgeuntersuchungen bei einer Hebamme oder einer Ärztin/einem Arzt durchführen lassen wollen – wie das in vielen anderen Ländern üblich ist. Österreichischen Frauen bleibt nur der Gang in die Arztpraxis.

Dabei wären Hebammen von Berufswegen die idealen Ansprechpartnerinnen für werdende Mütter. Sie könnten eine Schwangerenfürsorge leisten, die sich mütterzentriert und hebammengeleitet an den tatsächlichen Bedürfnissen der Frauen orientiert, deren Stärken fördert und im Bedarfsfall in ärztliche Betreuung überweist.

So würden nur die Frauen ärztliche betreut und überwacht werden, die tatsächlich Bedarf an dieser kostspieligen Form der Schwangerenvorsorge haben. Alle anderen Frauen wären mit der Hebammenbetreuung gut beraten. Ein Kapitel, in dem Hebammen und auch Mütter von ihren ganz persönlichen Erfahrungen berichten, rundet das Buch ab.

 

Welche Hindernisse haben werdende Mütter heutzutage zu überwinden auf dem Weg zu einer selbstbestimmten und positiven Geburtserfahrung?

Ich glaube ganz ehrlich, dass es den Frauen nicht leicht gemacht wird, selbstbestimmt zu gebären.

Wir alle sind in einem Medizinsystem sozialisiert, das Schwangerschaft und Geburt als krankhafte Prozesse definiert. Das steckt in uns allen drin. Das wird auch von der Gesellschaft so transportiert. Wir sehen das im Fernsehen, im Kino. Wir hören davon in unserem Freundeskreis. Die wenigsten von uns haben positive Bilder von Geburten im Kopf, wenn wir selbst zum ersten Mal schwanger sind.

Diese kulturell geprägten Vorstellungen im eigenen Kopf müssen erst einmal überwunden werden, um überhaupt die Möglichkeit denken zu könne, dass meine Geburt schön, positiv, selbstbestimmt sein könnte. Habe ich erstmal die Schranken im eigenen Denken überwunden, dann ist der Weg zur positiven Geburtserfahrung zwar immer noch nicht frei, aber der Blick weitet sich.

Den Schwangeren stehen abseits der ausgetretenen Trampelpfade zwischen Arztpraxis und Kreißsaal viele Möglichkeiten offen. Eine Frau muss einfach sehr genau wissen, was sie will und worauf sie eher verzichten möchte, um Alternativen geboten zu bekommen.

Ich hab das Gefühl, es geht dabei ganz stark um Selbstermächtigung.

Denn die Gesellschaft scheint keinen besonders großen Wert darauf zu legen, dass Frauen gestärkt und kraftvoll aus ihren Geburtserfahrungen kommen.

Hinzu kommt, dass Leistungen abseits des ärztlichen Angebotes (zumindest teilweise) privat finanziert werden müssen. Das betrifft beispielsweise eine hebammenbetreute Schwangerenvorsorge, die Finanzierung der Hausgeburt oder aber auch der Wochenbettbetreuung durch eine Hebamme. Für einkommensschwache Haushalte kann das ein großes Hindernis auf dem Weg zur positiven Geburtserfahrung sein.

 

Gibt es Deiner Meinung nach einen Zusammenhang zwischen der Qualität und Tiefe der Schwangerenvorsorge und der Vorbereitung auf die Geburt und der dann folgenden Geburtserfahrung?

Ja, unbedingt! Im Moment ist es doch so, dass schwangere Frauen in ständiger Angst vor unzureichenden Untersuchungsergebnissen leben. Es wird ständig überwacht und kontrolliert, auffällige Befunde sind (obwohl sie sich im Nachhinein oft als falsch oder belanglos herausstellen) keine Seltenheit.

Bei den Schwangeren entsteht da ganz leicht ein Gefühl der Angst. Zweifel machen sich breit.

Die Schwangerschaft ist heute keine Zeit der guten Hoffnung mehr, sondern ein Spießrutenlauf von Arztbefund zu Arztbefund. Der Fokus liegt im Auffinden von sogenannten Risikofaktoren. Das Pathologische liegt im Zentrum der Aufmerksamkeit.

Dass das die Frauen nicht unbedingt in ihre Kraft führt, ist logisch.

Eine Schwangerenvorsorge, die die Gesundheit der Frauen und Kinder ins Zentrum rücken würde, wäre als Vorbereitung auf eine selbstbestimmte Geburt wesentlich hilfreicher.

Es ist doch so, dass ich, wenn ich mich während der gesamten Schwangerschaft als hilfloses und krankhaftes Wesen wahrnehme, das nicht in der Lage ist, das Kind im Inneren des Körpers eigenständig wachsen und gedeihen zu lassen und für diesen Vorgang medizinische Überwachung und Unterstützung braucht, bei der Geburt dann nicht plötzlich Heldinnenkräfte entwickeln werde.

Die ärztlich überwachte Schwangerschaft zwingt uns in eine Situation, in der wir es als normal wahrnehmen, dass sogenannte Experten und Expertinnen über uns und unseren Körper, über unsere ungeborenen Kinder urteilen und darüber bestimmen, was gut für uns ist.

Das führt dazu, dass Frauen zunehmend das Gefühl haben, von einer männerdominierten Apparatemedizin abhängig zu sein, wodurch sie bestmöglich auf eine interventionsreiche und schmerzhafte Geburt vorbereitet werden, die sie ohne medizinische Hilfe nicht bewältigen können. Und dann kommen eben diese Ärzte/Ärztinnen, die den Frauen zuvor die Kompetenzen, was ihren Körper und ihre Schwangerschaft betrifft, abgesprochen haben und „retten“ die armen, gebärunfähigen Frauen aus ihrer misslichen Lage.
Hebammenbetreuung während der Schwangerschaft?

Das ist heute leider eher die Ausnahme, obwohl wir inzwischen wissen, dass eine bedürfnisorientierte und frauenzentrierte Begleitung in der Schwangerschaft bereits den Grundstein für eine positive und kraftvolle Geburtserfahrung legt. Auf dem Sektor der Geburtsvorbereitung tut sich aber einiges, um diese Lücke zu füllen. Gute Kurse zur Vorbereitung auf die Geburt können eine Stütze sein, um Frauen in ihre Kraft zu führen und glückliche Geburten möglich werden zu lassen.

 

Vielen Müttern wird Verantwortungslosigkeit vorgeworfen, wenn sie selbstbestimmt ihren eigenen Weg durch Schwangerschaft und Geburt gehen, also wenn sie z.B. eine Hausgeburt planen, einige oder alle Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen ablehnen oder sich sogar auf eine Alleingeburt vorbereiten. Wie siehst Du den Spannungsbereich zwischen Selbstverantwortung und Sicherheit, zwischen Selbstermächtigung und dem Wunsch nach Absicherung?

Das schließt sich nicht gegenseitig aus. Selbst Verantwortung zu tragen, bedeutet ja nicht, sich oder das Kind zwangsläufig in Gefahr zu bringen.

Selbstverantwortung ist nicht verantwortungslos. Ich nehme sie nur selbst in die Hand und übergebe sie nicht einer fremden Person. Wobei nicht ausgeschlossen ist, dass ich mir Hilfe oder Unterstützung von außen hole, wenn ich das Bedürfnis danach habe.

Ich habe das Gefühl, dass gerade Frauen, die sehr kritisch sind und sich abseits der Normen bewegen, besonders verantwortungsvoll agieren. Sie tragen die Verantwortung selbst und sind sich dessen auch bewusst. Das ist der eine Aspekt.

Der andere Aspekt ist, dass die „Sicherheit“ von der wir hier sprechen, ja nur eine scheinbare Sicherheit ist. Brav jede Untersuchung durchführen zu lassen, bedeutet nicht automatisch, dass ich mir dadurch irgendeine Art von Sicherheit für ein gesundes Baby oder einen problemlosen Schwangerschaftsverlauf erkauft habe. Das wird aber leider oft vergessen.

Da wird die Kontrolle und Überwachung mit Sicherheit gleichgesetzt. Die gibt es aber einfach nicht. Schwangerschaft und Geburt sind Lebensbereiche für die es einfach keine Garantie gibt. Auch die ständige ärztliche Kontrolle kann daran nichts ändern.

Aber wenn eine Frau das Bedürfnis hat, sich permanent überwachen zu lassen und ihr das ein Gefühl von Sicherheit vermittelt, dann ist es ihr gutes Recht, diese Dienste auch in Anspruch zu nehmen. Es gibt eben beides: Frauen, die sich sicher und geborgen fühlen, wenn sie sich auf ihren eigenen Instinkt verlassen und die sich von den ständigen Untersuchungen gestresst und verunsichert fühlen, und Frauen, die genau diese Bestätigung von außen brauchen, um sich sicher und gut zu fühlen. Beides hat seine Berechtigung.

 

Meinst Du, dass es ein Interesse daran gibt, Frauen in ihrer Kraft und Selbstbestimmung zu behindern? Und warum ist das Thema Schwangerschaft und Geburt eigentlich im modernen Feminismus so wenig vertreten?

Es gibt da dieses chinesische Sprichwort:

„Wenn schlafende Frauen erwachen, werden sich Berge bewegen!“

Frauen sind kraftvolle und mächtige Wesen. Wir tragen das Potenzial in uns, die Welt zu verändern. Jeden Tag.

Es ist jede/r selbst dazu aufgerufen, sich darüber Gedanken zu machen, wer oder was ein Interesse daran haben könnte, dass Frauen weiterschlafen und ihr Potenzial nicht zur Entfaltung bringen.
Zu deiner zweiten Frage: Der Feminismus hat meines Erachtens ein Problem mit schwangeren und gebärenden Frauen, weil diese deutlich auf etwas hinweisen, was Feministinnen gerne verdrängen: Mann und Frau sind (körperlich) nicht gleich! Gleichwertig, ja.

Aber dann kommen diese Frauen und machen etwas ganz Absurdes: Sie lassen Leben in ihren Bäuchen wachsen! Sie gebären Kinder! Sie nähren diese Kinder an ihrem Busen!

Das passt nicht mit dem Bild der gleichgestellten Karrierefrau zusammen, die sich an männlichen Rollenbildern orientiert, um in dieser männerdominierten Welt ganz nach oben zu kommen und erfolgreich zu sein.

Und ganz ehrlich: Ich hab nicht das Gefühl, dass Frauen besonders solidarisch sind. Da wird die eine dafür kritisiert, dass sie sich „alten Rollenbildern“ unterwirft (auch wenn sie das vielleicht gerne und aus freien Stücken macht), die andere wird schief angeschaut, weil sie von ihrem Kind mit Wunschkaiserschnitt entbunden wurde und es nach wenigen Monaten in der Krippe abliefert. Auch das ist nämlich Selbstbestimmung!

 

Was magst Du den schwangeren Mamas raten, die bereit sind, die Hindernisse zu überwinden, um eine selbstbestimmte Schwangerschaft und Geburt zu erleben?

Informiert euch, sucht Gleichgesinnte und Menschen, die euch in euren Plänen und Wünschen unterstützen.

Sucht euch eine Hebamme.

Habt Mut auch gegen den Strom zu schwimmen.

Vertraut eurer Intuition und hört auf das Kind in eurem Bauch.

Wenn schlafende Frauen erwachen, bewegen sich Berge

Doris Moser

Autorin

Doris Moser ist Medizinanthropologin, Autorin und zweifache Mutter. Ihr Buch „Schwangerschaft schafft Heldinnenkraft“ stärkt die Eigenverantwortlichkeit der Frauen, in „Der überwachte Bauch“ nimmt sie die gängige ärztliche Schwangerenvorsorge kritisch unter die Lupe und deckt Lücken auf.

Willkommen auf meinem Blog!

Hallo! Ich bin Nina und Dein Birth Coach und Mama Mentor.

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Geh’ scheißen!

Geh’ scheißen!

Was Geburt mit Stuhlgang zu tun hat

 

 

Du kennst das sicher auch: du spürst diesen bestimmten Drang und suchst das stille Örtchen auf. Dein Frühstück sucht den Weg nach Draußen.

Sofort, als ob du an das kindliche GPS-System angeschlossen wärst, hämmert eines deiner Kinder an die Tür:

“Mama, ich muss PIIIEEEPIIEE!”

Ok. Sofort ist der Stuhldrang wieder weg, du öffnest die Tür und verhinderst so, dass du den Flur wischen und dein Kind neu anziehen musst (was bei 1,5- bis 4-Jährigen ein zusätzlicher Zeitaufwand von min. einer halben Stunde bedeuten könnte).

Hände waschen, ach, die Wäsche… dass du eigentlich gerade noch selbst auf die Toilette musstest, ist wieder vergessen.

 

Oder vielleicht kannst du dich noch an das erste Mal erinnern, als du bei deinem ersten Freund übernachtet hast.

Alles ist so aufregend! Ihr habt gerade gefrühstückt und eigentlich müsstest du mal wohin. Aber was, wenn er es hören könnte, wenn du ein paar Tönchen von dir gibst, oder er dann auch muss und in deinen Dunst hineingehen würde?

Das wäre irgendwie nicht so romantisch… klar, normal, aber muss er DAS gleich beim ersten Mal mitkriegen? Du verkneift es dir also. Wenn ich zuhause bin…

 

Zum Scheißen brauchen wir Privatsphäre. Ja, ich habe scheißen gesagt. Das ist menschlich.

Wir alle müssen kacken.

Wir brauchen ein stilles Örtchen.
Am Besten noch zuhause auf der eigenen Toilette.

Die Muskeln, die bei der Verdauung und bei der Ausscheidung eine Rolle spielen, gehören zur glatten Muskulatur. Wir können sie nicht kontrollieren, sie arbeiten ganz automatisch.
Der Kot wird durch Anspannen der Bauchmuskulatur und durch Entspannen der Schließmuskeln aus dem Enddarm bewegt. Das machen die ganz toll von alleine. Wir brauchen gar nichts zu machen. Können im H&M-Katalog blättern.

Diese Entspannung ist aber nur möglich, wenn Nervenreize oder andere erregende Vorgänge ausbleiben, also wenn kein Kind an die Toilettentür hämmert; oder keiner die Zeit stoppt, um zu schauen, ob du auch nach der Norm kackst; und wenn keiner noch eine Zwischenuntersuchung am After macht, um zu schauen, wie die Wurst liegt.

Auch die Muskeln der Gebärmutter gehören zur glatten Muskulatur. Für sie gelten also die gleichen Regeln.

Privatsphäre.
Ein stilles Örtchen.
Am Besten zuhause.
Auch die Positionen überschneiden sich:
Toilettensitz, Geburtshocker, tiefe Hocke, im Stehen – man denke an Steh- bzw. Hocktoiletten in Südeuropa und Asien, die ja doch um einiges hygienischer und besser für den Ausscheidungsakt sein sollen.

Leinsamen…

Das heißt auch, dass wir ähnlich behandelt werden sollten und vor allem in Ruhe gelassen werden sollten.
Wir brauchen keinen, der unseren Verdauungsvorgang dokumentiert und auf die Uhr schaut, denn unter Zeitdruck kann man schon gar nicht kacken.
Wir brauchen eigentlich auch keinen, der zwischendurch ‘mal nachschaut’, ob die Wurst denn schon kommt. Vielleicht noch in Rückenlage und hell beleuchtet…

Eigentlich können wir das alleine.

Und eigentlich ist Kacken ja was ganz normales.

Jeder kann es. Der Körper ist dafür gemacht.

Und eigentlich reicht etwas atmen.

Und eigentlich pulsiert die Muskulatur von alleine – man nennt das Ausscheidungsreflex.

Eigentlich.

Was aber, wenn nicht…

Wikipedia nennt das ‘Stressbedingte Obstipation’.

Für die Behandlung dieser wird unter anderem vorgeschlagen:

“Eventuell vorhandene Konflikte sollten gelöst werden, und es kann hilfreich sein, mit anderen und mit sich selbst ins Reine zu kommen. Es sollen Gegenpole zum Stress, etwa durch Entspannungsübungen, Meditation, Yoga oder Autogenes Training, geschaffen werden.”
Danke Wiki.

In der Geburtshilfe kann man ‘Geburtsverstopfung sagen’.

Geburtsstillstand ist einer der Hauptgründe für einen Kaiserschnitt.
Man könnte sich auch ein ‘BESETZT’-Schild basteln und an die Tür des Geburtszimmers hängen oder sich überhaupt auf die Toilette zurückziehen.

Am Besten bleibt man aber für diesen privaten Ausscheidungsvorgang überhaupt zu Hause.

Ich wünsche Euch eine gute Verdauung.

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Über die Geduld – Gebären heißt auch warten können

Über die Geduld – Gebären heißt auch warten können

Von Patricia Schmidmeier – Hausgeburtshebamme 

„Das Wort Geduld (auch altertümlich: Langmut) bezeichnet die Fähigkeit zu warten.“ – so sagt es Wikipedia
Der englische Dramatiker William Somerset Maugham (1874-1965) hat es ganz treffend beschrieben:
„Der Mensch hat das Warten verlernt, darin liegt das Grundübel unserer Zeit.“
Das ist leider heute auch noch so.

Wir leben in einer sehr schnelllebigen Zeit.

Wo man nur hinsieht, viel zu schnell muss alles gehen.
Dieses nicht warten oder nicht abwarten können ist sehr stark in der heutigen Geburtshilfe zu spüren.

Die Kreißsäle sind voll, Hebammen und Ärzte oft überlastet.

Da liegt es doch ganz nahe, das schnell einmal zum Wehenmittel gegriffen wird oder ein Dammschnitt gemacht wird.

Noch besser, lieber gleich einen Kaiserschnitt machen, dann geht’s noch flotter und planbarer ist er auch.

Wenn während einer Geburt Komplikationen auftreten, keine Frage, dann bin ich sehr froh darüber, dass wir heute gut versorgt sind.

Doch auf Grund meiner Eindrücke und Erlebnisse als Hebamme, habe ich leider allzu oft gesehen, dass Komplikationen eingetreten sind, weil eben nicht abgewartet wurde.

Dieser Eingriff in den natürlichen Geburtsverlauf kann schwerwiegende Auswirkungen haben.

Ich bekomme immer wieder Geburtsgeschichten erzählt und es macht mich wirklich sehr traurig, was ich alles höre.

Die hohe Kaiserschnittrate die wir in Österreich haben (über 30%), lässt keine Zweifel, dass irgendetwas falsch läuft.
Für mich als Hebamme ist Geduld etwas sehr wichtiges.

Ich denke, dass alles seine Zeit braucht und nicht so schnell gehen kann (soll), wie wir es gerne wollen, besonders wenn ein Kind erwartet wird.
Liebe Frauen, werdende Mamas und Mamas da draußen: hört mal tief in euch rein!

Denkt einmal genau darüber nach, was euch am Besten während eurer Geburt geholfen hätte, bzw. was euch bei eurer kommenden Geburt am Meisten helfen würde.

Ruhe, Zeit, Vertrauen, Sicherheit und Geduld?

Geburten können so unterschiedlich sein, wie wir Menschen sind.

Einige dauern sehr lange, andere wieder sind besonders schnell.

Wenn es dann einmal länger dauern sollte,dann sind Geduld und Zuversicht von großer Bedeutung.

Verläuft alles normal, ist es OK, wenn es einmal länger dauert.

Als Beispiel: bei einer längeren Geburt ist es ganz normal, dass die Wehen auch mal wieder weniger werden, das ist ganz wichtig, damit sich der Körper der Frau wieder Kraft holen kann, um dann wieder kräftigere Wehen zu erzeugen.
Meine Erfahrung hat hier gezeigt, dass Warten und eben mal gar nichts tun das Beste ist.
Mir ist sehr wichtig darüber zu schreiben, dass es von großer Bedeutung für einen guten Geburtsverlauf ist, sich schon in der Schwangerschaft mit seinem Körper gut auseinander zu setzten und zu vertrauen, dass dein Körper das Richtige tun wird.

 

Besonders wichtig ist auch der Beziehungsaufbau zum Kind, schon früh in der Schwangerschaft.

Diese innige Bindung zum Kind schon während der Schwangerschaft hilft, unter der Geburt eine Verbindung mit dem Baby zu haben, ihr/ihm Mut zu machen, dass alles gut gehen wird.
Die eigene mentale Stärke ist auch ein sehr wichtiger Faktor.

Positiv über die Geburt zu denken und zu reden hat einen starken Einfluss auf die Geburt selbst.

Auch der Ort der Geburt ist ausschlaggebend für einen positiven Verlauf.

Fühlt man sich sicher oder nicht, an dem Ort, an dem man sein Baby bekommen möchte?

Dies hat großen Einfluss!!

Wo fühlst du dich am Wohlsten?

Wo kannst du am Besten loslassen?

Dieser Ort wird der Beste sein um dein Baby zur Welt zu bringen!

Mein Rezept also für eine gelingende Geburt ist:

 

  • Auseinandersetzen mit dem eigenen Körper in der Schwangerschaft
  • Beziehungsaufbau zum Kind
  • positive Einstellung zur Geburt
  • Personen bei der Geburt die daran glauben das eine natürliche Geburt möglich ist
  • eine Hebamme die an die natürliche Geburt glaubt
  • ein Ort an dem ich mich wohl fühle
  • GEDULD

Allen Frauen die bald ihr Baby erwarten, möchte ich sagen:

Vertraut darauf das euer Körper alles richtig macht, und im richtigen Tempo!

Ich wünsche euch noch eine schöne Weihnachtszeit!
Patricia Schmidmeier, BSc

Patricia Schmidmeier

Patricia Schmidmeier

Hausgeburtshebamme

Patricia ist Wahlhebamme für den Raum Wien und auch für Teile Niederösterreichs.

Sie betreut und stärkt Frauen auf ihre einzigartige Weise in der Vorbereitung auf die Geburt, während der Hausgeburt und in der Nachsorge während des Wochenbetts.

Ihre große Stärke ist die Geduld.

Sie schafft es, den Frauen genug Raum und Vertrauen zu vermitteln und ist ein ruhender Ankerpunkt.

Mehr zu Patricia und ihrer Arbeit findet ihr auf www.hevianna.at

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